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Rezensionen aktueller Rollenspiel-Fanzines.

Metadaten[]

Autor*in Dietmar Cremers, Gordian Kaulbarsch
Illustrator*in
Ausgabe Störtebekers Logbuch Nr. 12
Seiten 44-49
Format Zweispaltig

Quelltext[]

Seemannsgarn[]

Fanzine-Rezensionen

Seit nun fünf Ausgaben blieb im Logbuch das Thema Szene und Fandom ausgespart. Viel Gelaber und mäßiger Inhalt war die Kritik vieler Leser; News und Gerüchte, deren Bezug manchmal offenbar nur den Autoren vertraut gewesen wären. Ich muß zugeben, diese Kritik war nicht ganz unberechtigt, sollte sich jedoch nicht auf die Autoren beziehen, sondern vielfach auf "das Fandom" (wo liegt das eigentlich) selbst. Andererseits fällt mir mittlerweile auf, daß bei Logbuchlesern ein Bezug zu dem Begriff "Szene" völlig fehlt. Teilweise scheint wohl doch ein gewisses Informationsbedürfnis vorzuliegen. Denn es gibt allemal auch Interessantes fernab der hanseatischen Gefilde zu finden, seien es Conventions oder auch andere Fanzines (ähm ja, wir geben es nur ungern zu, aber es gibt noch mehr Fanzines neben dem Logbuch). Diese liegen in Spieleläden oder auf jenen Cons aus, sind mal gut, mal dilettantisch, bieten aber in jedem Fall eine Menge billiges Material für (Live)-Rollenspieler, Tabletopper, Kurzgeschichten- und Comicliebhaber und selten sogar für die Blood-Bowler. Das Logbuch will sich dieses Themas in einer kleinen Rubrik wieder annehmen. Hier besprochene Fanzines finden sich übrigens meist auch in der Bordbibliothek der Störtebekers Erben wieder. Um Euch ein wenig durch den Papierdschungel zu führen, der sich dem interessierten Leser auftut, wird diese Rubrik wieder ins Logbuch aufgenommen. Ich werde versuchen, Euch die Neuerscheinungen unter den Fanzines zu präsentieren und sie ein wenig kritisch unter die Lupe nehmen.

Fangen wir mal mit einem der etabliertesten Fanzines an:

Heldenhaft Nr. Elf[]

Die Aventurische Gazette 88 Seiten Din-A4 für 5 Dukaten incl. Porto
(Adresse nicht mit übernommen)

Das umfangreiche Heft enthält ca 88 Seiten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, denn aus programmatischen Gründen sind die Seitenzahlen entweder gar nicht oder nur verschlüsselt angegeben, ein Inhaltsverzeichnis fehlt. Den Herausgebern geht es vor allem eher darum, immer wieder zum Schmökern einzuladen, als ein Fanzine anzubieten, das mal eben Seite für Seite durchgeblättert wird. Andererseits trägt das oft zur Verwirrung des Lesers (und besonders des Rezensenten) bei. Dafür bietet Heldenhaft eine Menge Atmosphäre, denn nahezu alles ist im DSA-Jargon geschrieben. Die Nummer Elf beschäftigt sich vor allem mit, na klar: den Elfen. Eine Beschreibung eines Waldelfendorfes einschließlich seiner Zerstörung, ein Elfen-Kreuzworträtsel, eine 12-seitige Elfen-Mythologie und eine witzige Beschreibung der Zwerge aus der hochmütigen, elfischen Sicht (Teil eines, seit längerem andauernden literarischen Streites) lassen kaum aventurisch-ethnologische Fragen offen. Dazu kommen diverse Kurzgeschichten, ein aktuelles Diskussionsthema (Wechselnde Meister oder ein ständiger?) und "fannisches", also beispielsweise Leserbriefe, die thematisch geordnet wurden. Für DSA-Spieler ist das chaotisch-informative Blatt ein Muß! Und für die Zwerge unter Euch bedeutet es immerhin noch ein wärmendes Feuerchen.

Der Falke. Die Nr. 12[]

48 Seiten und 36 Seiten Sonderbeilage Din-A5: 3.- und 0,80.- Porto
(Adresse nicht mit übernommen)

Wie auch andere "große" Fanzines, kann der Falke zunächst mit mehreren, seitenlangen Leserbriefen aufwarten. Bemerkenswert ist aber gleich der 1. (von Michael Wuttke). Er ist als kleine Geschichte verpackt, in der sich ein Höllenfürst und sein Dämon über den Falken Nr. 9 unterhalten, und ist mit das Originellste und Witzigste, das ich seit langem in einem Fanzine gelesen habe. Vom selben Autor findet man später auch eine kurze, aber prägnante Schauplatzbeschreibung, die ich mit Sicherheit in meine nächste Kampagne einbauen werde. Ansonsten bietet diese Ausgabe ein knapp ausgearbeitetes Szenario mit einem ausgefallenen Charakter (dem Donnerer), ein Bericht über Marion Zimmer Bradley, ein 4-seitiges, vollständiges (!) Rollenspielsystem, in dem die Spieler Polizisten darstellen, 4 Kurzgeschichten unterschiedlicher Qualität, gute Illustrationen und übersichtliches Layout und zum Schluß die übliche und inzwischen legendäre Rezension eines Fanzines in Dialogform. Soweit wäre ein vorläufiges Fazit: Angelt Euch diesen Falken, Matrosen, denn so viel originelles Material bietet Euch für diesen Preis kaum ein anderes Fanzine! Doch das ist noch nicht alles, denn dem Falken Nr.12 liegt noch ein Sonderteil bei. Es handelt sich um ein komplettes Abenteuer, das mit der guten Idee aufwartet, zunächst die Handlung in Form einer Kurzgeschichte vorzustellen. Leider ist die Story in schlechtem Stil geschrieben, so daß ich nach ein paar Zeilen zum Abenteuer selbst weitergeblättert habe. Es handelt sich hierbei um ein Horrorszenario für DSA. In einem verfluchten Haus treibt der Namenlose sein Spiel und so harren ganze Legionen von mächtigen Geistern, Monstern und Untoten (bis hin zum Werhasen) der Helden - überwiegend detailliert ausgearbeitet. Die Story selbst enthält eine hochkomplizierte Hintergrundgeschichte. Es ist deshalb kein Wunder, das das "große Rätsel" des Abenteurs einfach dadurch gelöst wird, daß es den Helden von einem Geist erklärt wird. Eine "normale" Spielgruppe hätte die verworrene Vorgeschichte wohl sonst niemals selbst herausfinden können. Der Rest der Handlung besteht dann aus den klassischen Szenen des Abschlachtens und der Verwüstung. Der Autor verweist zwar darauf, daß er die Betonung lieber auf die Atmosphäre und nicht auf den Kampf legen würde, aber dann hätte er auch besser ein paar Monsterchen weniger erfunden. Sollten sich die Helden dann tatsächlich lebendig bis zum Ende durchgemetzelt haben, dürfen sie miterleben, wie Praios selbst den allerletzten Fiesling für sie erledigt. Wie banal. Die Idee an sich, ein größeres Abenteuer als Sonderheft herauszugeben, ist ja toll, aber ich hoffe, daß die Redaktion des Falken in Zukunft bei der Auswahl eine bessere Hand beweist.

Die Inschrift Nr. 6[]

32 Seiten Din-A4: 1.- + 1,50.- Porto
(Adresse nicht mit übernommen)

Die Inschrift ist wiederum ein hauptsächlich DSA-orientiertes Fanzine. Für 1 (eine!) Deutsche Mark bekommt ein Heft in sauberem Layout, das auch noch erstaunlich wenig Tippfehler aufweist, was für ein Fanzine bei weitem nicht selbstverständlich ist. Die Artikel sind jedoch überwiegend Durchschnitt. Eine Kurzbeschreibung von Steppenelfen ist eine einfach gestrickte Übertragung der Kultur nordamerikanischer Steppenindianer ins Rollenspiel, ein Artikel zur Schwangerschaft von Heldinnen schlichtweg überflüssig (die Redaktion selbst drückt in einem Vorwort ihre Vorbehalte gegen diesen Leserbeitrag aus), ein Kreuzworträtsel kann nur der DSA-Fan lösen, und die Beschreibung des 23-Seelen Dorfes Andrahus hätte man sich aufgrund seiner Banalität auch sparen können. Trotzdem wartet die Inschrift auch mit einigen Highlights auf: Die Kurzgeschichte "Der ewig gleiche Fluß" ist eine schöne Alltagsstudie mit einer unerwarteten Wendung am Schluß, die Illustrationen sind akzeptabel bis gut, ein Artikel über Reisen zwischen den Sphären bietet einiges zur Theorie der Magie auf Dere, ein Paranoia-Kurz-Szenario weist den Weg zu zukünftigen Ausgaben der Inschrift, in denen auch Shadowrun, PP&P oder Star Wars ihren Platz finden sollen. Das höchste Lob muß ich der Redaktion aber für ihren Mut zollen, eine Kurzgeschichte von einer Autorin abzudrucken, die in einer nordamerikanischen Indianer-Reservation (nicht: "Reservat") aufgewachsen ist, weshalb die Geschichte auf englisch ist! Die Story dieser 16-Jährigen ist schön und stimmungsvoll und beweist einmal mehr, daß auf englisch elegant sein kann, was sich auf deutsch abgedroschen liest. Bitte keine Übersetzung im nächsten Heft (wie angekündigt)!!! Alles in allem ist Die Inschrift billiges Futter für DSA'ler, wäre sie teurer, hätte ich sie verrissen.

Asthoreth Nr. 3[]

52 Seiten Din-A5: 2,50.- + 1.- Porto
(Adresse nicht mit übernommen)

Die Leute aus dem nahen Westen sind 'ne nette Crew, aber dieses Heft ist leider nur teilweise gelungen. Und das liegt zum Teil an einem freien Autor, den die Jungs ganz schnell kielholen sollten. Er ist zwar einer der Wenigen, die etwas über Magic schreiben, aber er ist dabei so fanatisch verbohrt, daß er dringend an unserem nächsten Magic-Suchtprogramm teilnehmen sollte. Außerdem schafft er es mal eben ganz locker, sich mit einer Bemerkung über die "titten" des Serra Angel ins emanzipatorische Aus zu bugsieren. Und dann versucht er noch, durch Abbildung der oben genannten Magic-Karte seinem dummgeilen Fauxpas Wirkung zu verschaffen (Soll ich mir jetzt davor einen runterholen oder was?). Außerdem hasse ich Artikel mit durchgehender Kleinschreibung, und die ist schon fast Programm beim Asthoreth. Das mag ja wirklich witzig sein, aber es macht das Heft beim besten Willen nicht besonders lesbar. Zweitens ist mir ein Beitrag zum ansonsten wirklich wichtigen Thema "Frauen & Rollenspiel" übel aufgestoßen. Er gibt zunächst vor, "das problem von mehreren Standpunkten zu beleuchten" (Schon wieder Kleinschreibung!), besteht aber dann zu 3 Vierteln aus einem einseitigen Zitat (Interview?) einer einzelnen Frau. Mir kam ein wenig der Verdacht, daß sich der Autor nicht traute, eine eigene Meinung zu haben, weil er ein Mann ist. Ansonsten enthält der Asthoreth aber witziges und interessantes Material: ein Shadowrun-Szenario, ein nettes, aber durchschnittliches Fantasy-Universalabenteuer (in Kleinschreibung, Grrr!), einige Gimmicks, eine gut gemachte Beschreibung von Naturgeistern und größtenteils überdurchschnittliche Illustrationen. Das Beste war freilich eine (echte) Magic-Karte zum Zerstören, die aber in meiner Ausgabe fehlte, weil sie wahrscheinlich irgendein Süchtiger vorab rausgeklaut hat. Der Asthoreth ist also insgesamt ein guter Fisch, der aber erst noch etwas räuchern muß.

Fandom United Nr. 3[]

62 Seiten Din-A4: zwofuffich plus keine-Ahnung-wieviel, wahrscheinlich 1,50 Porto
(Adresse nicht mit übernommen)

Es ist nicht nur eine Zeitung, sondern eine Ansammlung von vielen. Jeder, der etwas veröffentlichen möchte, aber keine Zeit oder Ideen für eine ganze Ausgabe hat, kann sich hier eine oder mehr Seiten zum Preis von jeweils 3.- erkaufen. Dort kann er sich ausbreiten, wie er will. Es gibt Comics, Zeichnungen, Buchvorstellungen, lustige oder melancholische Gedanken, ein hochinteressantes Kurzgeschichtenprojekt (Bin gespannt, was daraus wird.), Con-Berichte und vieles mehr. Hier schreiben alteingesessene Fandomler und genauso absolute Neulinge, die an ihrem ersten Fanzine arbeiten. Außerdem bekommt man eine Menge Flair und den Umgangston der Szene mit.

Vom Skullcrusher's Chainsaw hatte ich eigentlich eine recht hohe Meinung.

Skullcrusher's Chainsaw[]

44 Seiten Din-A5: inklusive Porto für 3,70.-
(Adresse nicht mit übernommen)

Es ist ein Fun-Zine, also eines, dessen hauptsächlicher Inhalt darin besteht, die Rollenspiel- und Fandomszene freundlich auf die Schippe zu nehmen. Teilweise sogar mit ausgesprochen brachialem Humor. Keine Frage, daß der SC im Fandom schon lange Kult ist. Doch die aktuelle Ausgabe läßt einiges vom alten Schwung vermissen. Sie ist einfallslos, geradezu lieblos dahingeschmiert und definitiv nicht witzig! Ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, daß die Macher unter Zeit- und Erfolgsdruck standen, es ist eben nicht leicht, immer lustig zu sein. Deshalb laßt dieses Mal die Finger vom SC. Und hofft mit mir darauf, daß es nur ein Ausrutscher war, denn die Szene braucht solche Fanzines!

Äußerst positiv überrascht hat mich hingegen das noch junge DSA-/AD&D-Fanzine:

Charon's Sea Nr.2[]

68 Seiten Din-A5 (plus 8 Seiten Sonderteil): 3,50.- und ??? Porto (da keine Angaben zu Versandkosten sind, vielleicht 1,50)
(Adresse nicht mit übernommen)

In ihrer Ausgabe vom Februar '96 schafft es eine Berliner Truppe, nahezu professionellen Standard zu erreichen, trotz der üblichen schwarz-weiß Kopie. Es besteht zum Großteil aus universellen Rollenspielhilfen für Spieler und Spielleiter, die man praktisch sofort in die nächste Runde integrieren kann: Artefakt-Beschreibungen, NSC-Vorschläge, sogar Fallen, Mini-Szenarien und vieles mehr. Drei billige Ausgaben Charon's Sea dürften mehr Ideen beinhalten, als so manche teure Rollenspielhilfe. Die Illustrationen sind gute Qualität. Sie stammen von der bekannten Fandomlerin Christel Scheja, die man allerdings auch in nahezu jedem anderen Fanzine, vor allem mit hunderten von Kurzgeschichten, antrifft. Diese Omnipräsenz veranlaßte beispielsweise den ehemaligen Rezensenten der "Windgeflüster" dazu, gegen die allgemeine "Schejaisierung" zu wettern. Ihr häufiges Erscheinen hat das Fandom polarisiert: Wer ihren Stil mag, freut sich natürlich darüber; wer ihre Ausdrucksweise schlecht findet, der wird beinahe bei jedem Fanzine den dicken Hals bekommen. (Ich habe schon gehört, daß einige Leser "ihr" Heft danach auswählen, ob "CS inside" ist.) Die einzigen Schwachpunkte der Ausgabe: eine naiv-exotistische Beschreibung von Zigeunern (für eine Vorstellung der realen Lebensweise zu schlampig recherchiert, als frei erfundene Beschreibung einer Gruppe fürs Rollenspiel hätte man sie nicht "Zigeuner" nennen dürfen, so transportiert der Artikel nur Rassismus-fördernde Klischees) und der Szenario-Vorschlag "Die Jäger der Narrenkappe", der mir zu verworren erscheint. Fazit: Natürlich sind nicht alle Ideen verwendbar, aber wer in dieser Ausgabe nichts findet, das er in seine eigene Kampagne einbauen könnte, hat keine Phantasie. Ich selbst würde Charon's Sea jederzeit einer "Wunderwelten" oder einer "Dragon" vorziehen.

we/asgard Nr. 27[]

60 Seiten Din-A5: 290 Pfennige inclusive.
(Adresse nicht mit übernommen)

Die aktuelle Ausgabe ist schon seit einiger Zeit erhältlich, nämlich seit Sommer '95. Herausgeber Arne ist ein politisch engagierter Mensch, und das merkt man "seinem" Fanzine auch deutlich an. Schon im Vorwort macht er keinen Hehl aus seiner links-kritischen Einstellung und erst kürzlich trat er mit seinem Plädoyer für "Politik im Fandom" eine Lawine verschiedenster Reaktionen los. Wer die vollständige Diskussion nachvollziehen möchte, kann gegen DM 1,- (Briefmarke) bei Arne die gesammelte Resonanz unter dem Stichwort "politikfraktion" erhalten. Einige Ausschnitte aus Leserbriefen werden bereits in der vorliegenden Ausgabe wiedergegeben.

Mit der Auswertung der "Aktion Fandom Nr.4" bietet die Nr. 27 des we/asgard aber noch mehr für die Gemeinschaft der Fanzine-Leser. Der Sinn dieser Aktion besteht darin, eine Hitliste in Fandom-relevanten Kategorien zu führen, um so die Meinungen der Fans wiederzuspiegeln. Deshalb finden sich hier neben den Top Ten der Rollenspiele, der Fanzines oder der Cons auch Rubriken wie (bekannteste) "Fandomler" oder "Versager". (Da in keiner Spalte das Logbuch aufgeführt wird, hat wohl keiner von Euch mitgemacht, oder? Das nächste Mal werde ich den Fragebogen für Euch kopieren.) Außerdem bietet das Heft aber noch "Stoff" fürs Hobby: eine Kurzgeschichte (CS!); ein DSA-Abenteuer, das in der nächsten Ausgabe fortgesetzt wird (ich hasse Fortsetzungen!) und eine Schauplatzbeschreibung, die gerade für uns interessant sein dürfte. Es handelt sich um die Kneipe "Seemannsgrab", die mit ihren Räumlichkeiten und Bewohnern/Gästen liebevoll ausgearbeitet ist. Genau das Richtige für ein bißchen Spaß nach einer langen Überfahrt. Hinzu kommen die üblichen Fanzine-Rezensionen, wobei "Der Falke" vollständig mitsamt seiner Entstehungsgeschichte und allen Ausgaben seit '92 vorgestellt wird (Diese Idee, ein bestimmtes Fanzine umfassend zu präsentieren, werden wir wohl demnächst klauen.) Alles in allem ist diese Ausgabe des we/asgard obligatorisch für alle Matrosen und Fandom-Interessierte.

Nordländer 8[]

Nidhöggr
76 Seiten Din-A5, 3,- DM
(Adresse nicht mit übernommen)

Was andere als stilistisch vielseitig und layouttechnisch originell bezeichnen, damit habe ich meine Probleme: wechselnde Schriftsätze. Dies ist zwar auch im neuesten Nordländer noch der Fall, doch nicht mehr ganz so überschwänglich wie in älteren Ausgaben. Da der Nordländer in einer der nächsten Logbuchausgaben genauestens unter die Lupe genommen werden soll, hier nur eine kleine Inhaltsübersicht des letzten Nordländers - in Wahrheit kam er als Doppelausgabe mit der Nr.7 heraus, aber dazu in den nächsten Logbüchern mehr: Das DSA-Forum zeichnet die Kontroverse in Leserbriefen nach, die auf den kritischen Artikel "Der Zorn des Spielers" aus Ausgabe Nr.8 aufsetzt. "START" gibt einen Kurzbericht des großen Hamburger Con-Plagiats aus dem vergangenen Jahr. "Zwei ungleichen Gegner" und "Das Böse zu vertilgen" sind zwei Kurzgeschichten, letztere von Christel Sheja. "Card & Wyrmhöggr", eine NSC-Paar-Beschreibung der besonderen Art. "Bizarre Szenerien" führt drei Anregungen für außergewöhnliche Ereignisse im Rollenspiel auf. "DragonRaid" stellt ein christliches Rollenspiel vor, eine Skurilität, gefunden im Internet. "Pizza Avanti" ist eine eine Kurzbeschreibung eines satirischen Rollenspiels. Städte und Dörfer (natürlich aventurisch) werden im gleichnamigen Artikel aufgezählt und kurz beschrieben. Bücher- und Fanzine-Rezis runden das ganze noch ab.

Fazit: Immer noch ist der DSA-Anteil recht groß, doch die Universal-Beiträge haben sich ebenfalls ihren Raum erstritten. Für DSA-Fans auf jeden Falls zu empfehlen, doch nicht nur für die.

Talis 2[]

Clubzeitung des Rubicon
43 Seiten DIN-A4, DM 4,-
(Adresse nicht mit übernommen)

Das Heft ist ungewöhnlicherweise ringgebunden, hat ein größtenteils durchgehendes, klares Layout und ist photokopiert - fast wie gedruckt, abgesehen von der Vielzahl der Photos: Diese wurden wohl mit dem Heim-PC eingescannt und meist nur unzureichend nachbearbeitet - sie sind selten gut erkennbar. Dies wirkt sich besonders ungünstig beim Liverollenspiel-Fotoroman aus. Und damit sind wir auch beim Inhalt: Dieser Photoroman, der immerhin sechs Seiten in Anspruch nimmt, zeichnet ein Liverollenspiel nach, dessen Handlung zwar durch die Beitexte einigermaßen erläutert wird, doch die Photos bleiben mangels Rasterung ziemlich unkenntlich. Als Idee ganz nett, doch viel Text und ein paar Photos wären wohl effektiver.

Das Zine setzt sich zusammen aus Erlebnisberichten zum SAGA, dem Con des Rubicon, zur Clubgeschichte desselben und zur Spiel '94, einer Anzahl von Film-Kurzkritiken und einem großen Teil an analytischen Texten: Die Erlebnisberichte zeichnen Talis als Club-Magazin aus, die Filmkritiken sind etwas wahllos als Kastentexte über das Heft verteilt und muten zum Teil als Lückenfüller an; hier galt offenbar die Anzahl (12!) als Qualitätsmaßstab - wohl nur etwas speziell für Videofans. Interessanter da schon der analytische Teil: Eine recht informative Kurzbiographie von E.A. Poe; eine als Interview hübsch verpackte Darstellung von Vampiren und Vampirismus in Realität und Literatur. Eine Untersuchung des Genres Kriminalliteratur zeichnet deren Entwicklung in zwei Jahrhunderten nach; eine Analyse des Trends zu Gothic-Punk-Rollenspielen (wie Vampire, Werewolf oder auch Cthulhu Now) fragt nach dem Drang, einen negativ belegten Helden zu spielen. Eine persönliche Betrachtung "Mädchen im Rollenspiel" kommt zu dem Ergebnis, daß man sich in den meisten Dingen dann doch'n Dreck ums Geschlecht scheren kann: Rollenspiel sei individuell verschieden, aber nicht kategorisch vom Geschlecht abhängig. Talis schließt ab mit einer Auflistung wichtiger Vertreter der Trading-Card-Games. Dazu gibt es eine Kurzbesprechung des neuesten David-Eddigns-Werkes Elenium-Saga und eine Kurzgeschichte oder so was ähnliches, zu der ich aber nix sagen kann, weil ich sie schlichtweg nicht verstanden habe.

Insgesamt gewann ich den Eindruck, das Zine wäre irgendwie unter Zeitdruck gemacht worden. Die angegebenen DM 4,- würde ich nicht unbedingt dafür ausgeben wollen. Trotzdem bin ich gespannt auf die nächste Ausgabe.

Mast- und Schottbruch, Dietmar

(Nordländer-, Talis-Rezi von Gordian)

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