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Zwei Spielerezensionen mit einer Einleitungsgeschichte. Letztere wurde eine Tradition im Störtebekers Logbuch und macht einige Vereinsmitglieder der Störtebekers Erben zu Protagonisten. Bei den rezensierten Spielen handelt es sich um Wer bietet mehr? und Adel verpflichtet.

Metadaten[]

Autor*in Thomas Finn
Illustrator*in
Ausgabe Störtebekers Logbuch Nr. 1
Seiten 13-16
Format Zweispaltig

Quelltext[]

Eintragung vom... Rezensionen[]

22. August, anno 1990.

Die Flaute, in die wir geraten sind, hält nun schon seit 4 Wochen unvermindert an. An Deck hält sich bei der sengenden Hitze lediglich Steuermann Marc Höhne auf, der die anderen Erben nur noch mit scharfen Befehlen dazu bewegen kann, wenigstens die unerläßlichen Routinearbeiten an Bord auszuführen. Die Sonne wird uns allen noch den Verstand aus dem Schädel saugen. Warum hat uns der Käpt'n nur so schmählich im Stich gelassen ? Sicher er wurde bei dem schrecklichen Sturm vor 6 Wochen vor der Küste der Neuen Welt über Bord gespült, aber Redeligx wußte doch am besten von uns allen, wie gefährlich ein Gang an Deck bei solch einem Unwetter ist. Und nun ?

Ich, erster Navigator und zweiter Anführer der wilden Meute, liege hier mit Skorbut unter Deck und kann kaum die Feder führen. Na wenigstens bekomme ich dafür die doppelte Ration Wasser. Doch wie lange noch ? Schumacher, der erste Maat, wirft mir in den letzten Tagen immer so seltsame Blicke zu, so als ob mein Wasserverbrauch sowieso Verschwendung wäre. Ha, nicht mit mir ! Mich kriegt ihr nicht... (hier wird die Eintragung streckenweise unleserlich)... weiß genau, daß er mit den Matrosen Jens und Sven unter einer Decke steckt. Bin gespannt, wann sie mir Gift unter das wenige Essen mischen, um mich endlich auszuschalten. Auf den Seeschlangenharpunier Utzig kann ich mich auch nicht mehr verlassen, er liegt schon seit dem Verschwinden des Käpt'ns völlig apathisch unten in der Segelkammer herum. Höhne scheint der einzige zu sein, der daran glaubt, daß es Redeligx bis an die Küste geschafft hat. Er wird den Kurs der Stoertebeker halten, ganz gewiß - und wenn er sich ans Steuerrad festbinden läßt. Wohin soll uns das alles bloß noch führen ?

Hab heute vernommen, daß die beiden Kunze-Brüder Wetten darüber abgeschlossen haben, wann auch ich vor die Hunde gehe. Diese Hurensöhne ! Denken wohl, mir ist nicht entgangen, daß der blutige Wolter und der Einbein-Langmann den Rest der Mannschaft gegen mich aufzuwiegeln versuchen. Nicht mit mir, nein, nicht mit mir ! Wenn nur nicht dieser Klabautermann wäre. Ivo, der Schreckliche, wird er genannt, scheint zu spüren, daß es mit uns zu Ende geht. Sein höhnisches Treiben wird immer schlimmer....

Egal, jetzt gilt es vor allem, einer Meuterei vorzubeugen. Ich hab immer noch den Schlüssel zur Waffenkammer. Der Kapitän ahnte wohl, daß ein solcher Fall eintreten würde. Wollen doch einmal sehen, ob wir die Mannschaft nicht wieder zur Räson bringen können ....

Die Eintragungen enden hier abrupt und wir erfahren leider nicht, ob es dem Navigator gelungen ist, die explosive Stimmung an Bord wieder einzudämmen. Erhalten gebliebene Versorgungslisten geben jedoch Aufschluß darüber, daß die Waffenkammer durchaus einiges erfolgsversprechendes Material zu bieten hatte. Zwei dieser Waffen (insbesondere gegen Langeweile und miese Stimmung), die in thematischem Zusammenhang miteinander stehen, sollen hier vorgestellt werden.

Wer bietet mehr?[]

Parker/ Preis ca. 40 DM ( Ausstattung: Spielbrett, 6 Figuren, 2 Würfel, 24 Gemälde, 24 Wertkarten, 6 Wert-Verteilungskarten, 1 Satz Spielgeld, Clips für Gemälde und Wertkarten )

Das Spiel, das schon vor fünf Jahren erhältlich war und schon damals für große Spielfreude sorgte, ist nun kürzlich (überarbeitet) von neuem vom bekannten Spielhersteller Parker auf den Markt geworfen worden. Das längliche, von Risiko her bekannte Boxenformat wird daher niemanden verwundern. Worum geht es bei diesem Spiel ? Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines neureichen Kunstspekulanten. Mit 15 Mio. Dollar Startkapital und einem Gemälde von unbestimmten Wert ausgestattet, beginnt man das Spiel. Der Spielablauf ist nun denkbar einfach. Auf einem großen farbigen Spielbrett wird ein Pöppel (jeder Spieler sucht sich eine best. Farbe aus) auf kreisförmig angeordneten Anweisungsfeldern im Uhrzeigersinn voran bewegt. Dazu werden zwei sechsseitige Würfel gerollt, deren addierte Augenzahl die Anzahl der Felder bestimmt, die der Spieler zu überwinden hat. Der Spieler hat nun die Anweisungen des letzten Feldes frei nach Regeln zu befolgen. In vielen Fällen wird es sich dabei um eine sogenannte Bankauktion handeln. Dazu liegen in der Mitte des Spielbrettes zwei Kartenstapel. Bei dem einen handelt es sich um schön aufgemachte Gemäldekarten auf denen in vorbildlicher Wiedergabequalität berühmte Werke bekannter Künstler, wie Rembrandt, zu bewundern sind. Beim zweiten Kartenstapel, der im Gegensatz zum ersten nicht offen aufgedeckt wird, handelt es sich um sog. Wertkarten. Bei obiger Auktion steigern nun die Spieler um das oben aufliegende Gemälde — in der Gewissheit, daß Gemälde im Wert von 20 Mio. bis 1 Mio. Dollar darunter sind. Wieviel das Gemälde, um das gesteigert wird, nun wirklich wert ist, erfährt man jedoch erst, wenn man Besitzer desselben wird. In diesem Fall darf man mit dem Kunstwerk nun auch die oberste Wertkarte aufdecken und diese mit einem in der Box enthaltenen Clip an der Rückseite der Gemäldekarte befestigen. Wer weiß, vielleicht hat man tatsächlich gerade für läppische 9 Mio. Dollar ein 15 Mio. wertvolles Bild ersteigert. Es kann natürlich auch sein, daß man eine der beiden Fälschungen erwischt hat, oder einen ähnlich herben Verlust gemacht hat, weil das Gemälde nur 2 Mio. wert ist. Im ersteren Fall heißt es natürlich, so schnell wie möglich auf ein Verkaufsfeld zu gelangen, um das Bild für den angegebenen Wert zu verkaufen. Peinlich wird es nur, wenn man vorher die Anweisung Privatauktion betritt. Dann dürfen sich nämlich die hämisch grinsenden Mitspieler ein Bild aus der hauseignen Sammlung aussuchen und nun darum steigern. Da kann man nur hoffen, daß diese unwissentlich eine Fälschung oder eine ähnliche Lusche auswählen... Das Spiel ist beendet, wenn die letzte Gemäldekarte gezogen wurde. Jeder Spieler zählt nun Bargeld und den Wert der Gemälde zusammen, der reichste Spieler gewinnt das Spiel.

Fazit Wer bietet mehr ? ist nicht nur ein sehr spannendes und unterhaltsames Spiel (Glück und Pokerface spielen hier gleisam wichtige Rollen), der Interessierte erhält auf der Rückseite der Gemäldekarten zusätzlich einige Informationen jener Meisterwerke (so hieß das Spiel übrigens in der ersten Version), die durchaus Anreiz sein können, sich tiefer mit dieser Materie zu beschäftigen. Das Regelwerk selbst besteht aus lächerlichen drei Seiten, die aber mehr als ausreichend sind, um den denkbar einfachen Regelmechanismus zu vermitteln. Urteil: Sofort spielen !!!

Adel verpflichtet[]

FX-Schmidt/ Preis ca. 30 DM (Ausstattung 5 Wappensteine, 50 kleine Orts- und Aktionskarten, 45 Sammelkarten)

Auch dieses schöne Spiel spielt in den ehernen Gefilden des Kunstgewerbes. Diesmal geht es zwar nicht um berühmte Gemälde, doch gibt es schließlich noch eine Reihe anderer Obskuritäten, die viel wert sind. Schließlich, wer kann sich schon als Besitzer von Marylin Monroes Lippenstiftes bezeichnen ? Und was weiß unsereins schon von den Glücksgefühlen, die einen echten Sammler überkommen, wenn er Jonny Weissmüllers Lendenschurz in den Händen hält ?

Nun, stilechterweise sind es diesmal nicht neureiche Spekulanten, in deren Haut die Spieler schlüpfen, sondern echte sammelwütige Lords des altehrwürdigen Londoner Club Antique, die eine skurrile Wette abgeschlossen haben. Wer von ihnen in verschiedenen Schlössern die größten und wertvollsten Ausstellungen veranstaltet, soll nach Ablauf einer bestimmten Frist an der Festtafel einen Ehrenplatz bekommen. Verrückt ? Nein, denn Adel verpflichtet !

Die Spielfiguren starten sinnigerweise allesamt im Clubraum. Jeder Spieler erhält nun einen Satz Orts- und Aktionskarten sowie 4 Kunstgegenstände. Die restlichen Sammelstücke werden gemischt und auf den beiden Auktionsfeldern Mistie's & Saucebys und Fine Antiques abgelegt. Von nun an befinden sich in diesen beiden Auktionshäusern jeweils ein Kartenstapel, deren oberste Karte aufgedeckt wird. Solange nicht ein Kartenstapel aufgebraucht wird, stehen während einer Auktion immer zwei Kunstgegenstände zum Erwerb zur Verfügung.

Nach diesen Vorbereitungen wählen die Spieler als erste Aktion nun ihren Aufenthaltsort: Auktionshaus oder Schloß ! Diese Karten werden verdeckt abgelegt, das Geheimnis des jeweiligen Aufenthaltes danach gemeinsam gelüftet. Spieler, die sich im Auktionshaus befinden, können nun in einer zweiten Phase einen Scheck verdeckt ausspielen, oder, ebenfalls verdeckt, einen Dieb ins Spiel bringen. Nach Wahl werden alle Karten gemeinsam aufgedeckt. Der Spieler mit dem höchsten Scheck (jeder Spieler besitzt nur vier davon !) erhält den Zuschlag und darf sich einen Kunstgegenstand aus den beiden Auktionshäusern aussuchen, den er seiner Sammlung einverleiben darf. Der Scheck wandert daraufhin in die Kasse; andere Mitspieler müssen ihre Schecks wieder zurückziehen. Bei der geringen Anzahl der Schecks darf es jedoch nicht verwundern, wenn Spieler die Option "Dieb" legen. In diesem Fall wandert der Scheck nicht in die Kasse, sondern in den Kartenstapel des diebischen Mitspielers, der diesen in weiteren Runden beliebig wiederholt ausspielen kann. Peinlich nur, wenn mehr als ein Spieler auf die ldee kommt, Diebe im Auktionshaus einzusetzen - mehrere Diebe stechen sich nämlich aus und die ganze Aktion hat überhaupt nichts eingebracht ! Probleme haben auch die Spieler, die ihren Aufenthalt im Schloß gewählt haben. Um auf dem Spielbrett voranzukommen, kommt man nicht umhin, ab und an die Option "Ausstellung" zu wählen. Der Spieler mit der zu jenem Zeitpunkt größten Ausstellung kommt nämlich eine auf den Feldern des Spielbrettes angegebene Anzahl an Feldern voran - dem Spielziel, der Festtafel, immer näher. Leider ist damit zu rechnen, daß auch hier (neidische) Kollegen die völlig unsportliche Option Dieb wählen. Ein Dieb kann sich nämlich aus jeder offenliegenden Ausstellung jeweils einen Gegenstand aussuchen und sie der Sammlung der jeweiligen Konkurrenz einverleiben. Dazu muß man wissen, daß die Ausstellungsstücke mit den Buchstaben A-F versehen sind. Eine Ausstellung muß mindestens aus drei Gegenständen bestehen deren Buchstabenfolge nicht unterbrochen sein darf. Als Ausstellung gilt daher eine Sammlung aus den Buchstaben A-A—A ebenso wie eine Ausstellung aus den Kombinationen B-C-D-D oder D-E-F-F-F. Keine Ausstellung wäre hier eine Kombination der Gegenstände C-C-E-F. Ein bestohlener Lord kann also Gefahr laufen, nicht nur um einen Kunstgegenstand erleichtert zu werden, sondern auch, daß seine schöne Sammlung auseinandergerissen wird. Gut, daß es noch eine dritte Option gibt, die im Schloß ausgespielt werden kann der "Detektiv". Dieser befördert nämlich beim Stehlen erwischte Diebe kurzerhand ins Gefängnis - und jeder Spieler hat nur zwei Langfinger zur Verfügung ! Irgendwann wird der erste Lord nach einem spannungsgeladenen Run auf die Auktionshäuser und Schlösser die Festtafel erreichen. In diesem Moment müssen alle Spieler ihre beste Sammlung aufdecken die beiden Besten kommen noch einmal voran und das Spiel ist entschieden. Wer an der Festtafel am weitesten vorne sitzt, gewinnt das Spiel ! All diejenigen, die diese noch nicht einmal erreicht haben - für ihre Portion Kaviar wird sich sicherlich ein anderer finden... Wie sagte schon Lord Cunningham: " Adel verpflichtet ! " Fazit: Adel verpflichtet ist ein schön gestaltetes, relativ billiges und vor allem rasantes und unberechenbares Spiel ! Wer nichts riskiert, gewinnt auch nichts ! Doch wer zuviel riskiert, läuft Gefahr, alles zu verlieren. Übrigens Adel verpflichtet wird zu 99%iger Sicherheit Spiel des Jahres 1990 (Szeneinfo). Auch wenn das Spiel Schwächen aufzeigt, wenn man es (wie auf der Schachtel angegeben) mit zwei Personen spielt, hat es dieses Prädikat auf jeden Fall verdient.

[ ANMERKUNG D. REZENSENTEN: Beide Spiele stehen selbstverständlich auch auf den wöchentlichen Clubtreffen zur Verfügung. Wer Interesse daran hat und sicher gehen will, daß diese auch mitgebracht werden, sollte vorsichtshalber mal durchklingeln. ]

Thomas Finn

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